Allgemein Ratgeber

Kinderfahrradanhänger in öffentlichen Verkehrsmitteln – Was ist erlaubt?

Haltestelle Schild

Eigentlich sollte diese Frage nicht wirklich zur Debatte stehen. Aber seit in München Ende November eine Mutter mit drei Kindern und Fahrradanhänger der Tram des MVG verwiesen wurden, ist das Thema präsent.

Der Fall München

Der Fahrradanhänger war als Kinderwagen umgebaut und durfte dennoch nicht mit in der Tram befördert werden, obwohl kein Platzmangel herrschte – freie Sitz- und Stehplätze waren ausreichend vorhanden. Dennoch mussten Mutter und Kinder aussteigen und bei Kälte und Regen laufen.

Warum gab es dennoch ein Verbot für den umfunktionierten Fahrradanhänger? – In den Beförderungsbestimmungen der MVV und MVG ist grundsätzlich festgehalten, dass kein „Anspruch auf die Mitnahme von Fahrrädern, fahrradähnlichen Konstruktionen (z. B. Tandems, Dreiräder) und Zubehör (Fahrradanhänger, auch für solche, die zur Kindermitnahme geeignet sind) besteh[e]“, was aber auch kein konkretes Verbot ist.

Außerdem gilt: „Die Mitnahme ist nur im nachfolgend
geregelten Umfang gestattet. Sicherheit und Ordnung des Betriebs dürfen nicht gefährdet werden. Die Belästigung anderer Fahrgäste ist untersagt. Der durch die vorgenannten Sachen belegte Platz darf nicht für die Personenbeförderung benötigt werden. Das Betriebspersonal entscheidet im Einzelfall, ob die Voraussetzungen für die Mitnahme erfüllt sind.“

Der Fahrer entschied auf Basis dieser Bestimmungen, dass die Mutter mit dem Fahrradanhänger in der Tram nicht mitfahren darf – und war damit leider nicht ganz im Unrecht.

Die Frage bleibt: Ist ein zu einem Kinderwagen umfunktionierter Kinderfahrradanhänger immer noch ein Fahrradanhänger, für den die Bestimmung gilt, nicht aber für Kinderwägen? Außerdem gilt zwar kein Anspruch auf Mitnahme, aber ob die weiteren Bedingungen erfüllt waren und so der Ausschluss von der Weiterfahrt rechtmäßig war, stehen klar in Frage.

Gilt diese Regelung in allen öffentlichen Transportmitteln?

Welche Bestimmungen zur Beförderung von Fahrrädern und Zubehör gelten, regeln die jeweiligen Verkehrsverbunde selbst. So ist der Transport von Kinderfahrradanhängern mancher Ortes erlaubt und in anderen, wie in München, leider nicht in jedem Fall.

Allerdings kann die Mitnahme, wenn sie erlaubt ist, auch etwas kosten. Hierfür ist zu vorherigem Informieren über die Transport- und Tarifbestimmungen zu raten.

Im Raum Dresden beispielsweise, der von der VVO geregelt wird, sind Fahrradanhänger erlaubt und können mit gültigem Fahrausweis mitgenommen werden.

Im offiziellen VVO-Blog ist des Weiteren zu lesen: „Auch Fahrradanhänger, die zur Kinderbeförderung benutzt werden, gelten tariflich als Kinderwagen und werden ebenfalls kostenfrei mitgenommen.“

Dieser Verkehrsverbund ist sich demnach im Klaren: Ein zu einem Kinderwagen umfunktionierter Kinderfahrradanhänger ist ein Kinderwagen!

Das eigentliche Streitthema bleibt

Heute ist nahezu jeder Kinderfahrradanhänger mit dem richtigen Nachrüstset auch als Kinderwagen zu verwenden. Ohne Probleme können normale Kinderwägen in den öffentlichen Verkehrsmitteln – soweit genügend Platz vorhanden ist – transportiert werden. Zwar darf beim Zustieg nicht zu viel Zeit in Anspruch genommen werden, aber die Fahrer sind dazu angehalten Mütter mit Kinderwägen nicht des Verkehrsmittels zu verweisen. Im alltäglichen Betrieb gibt es hier demnach keine Hindernisse für Kinderwägen.

Aber warum gelten umfunktionierte Kinderfahrradanhänger nicht generell als Kinderwagen? Dies war das eigentliche Hindernis im Fall München. Kinderwägen dürfen ohne weiteres in der Tram befördert werden, Kinderanhänger aber nicht. Sie seien zu groß, hieß es seitens des MVG.

Größer als Zwillingswägen sind Fahrradanhänger aber nicht und diese sind ja auch zugelassen. Familien mit Kinderfahrradanhänger kaufen sich heutzutage auch nicht extra noch einen Kinderwagen, wenn der Fortschritt es möglich macht, aus einem Kinderbeförderungsmittel zwei oder drei mit einem Handgriff zu zaubern.

Fazit

Ob Fortschritt, Rückschritt oder Stillstand – die Beförderungsbestimmungen sind nicht so einfach und schnell zu ändern. So sollte man sich vor der Fahrt vergewissern, wie die Bestimmungen der jeweiligen Verkehrsverbunde sind, ob man einen Fahrausweis benötigt oder bei schlecht gelaunten Fahrern und Kontrolleuren noch einen längeren Fußmarsch vor sich hat.

Nachtrag vom 08.02.2017:

In einem Artikel vom 07. Februar 2017 der Süddeutschen Zeitung heißt es, der MVG lasse nun doch auf Antrag eines Bürgers auf Probe Kinderfahrradanhänger, die als Kinderwagen umgebaut wurden, in U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen zu.

Ein Anspruch auf die Mitnahme bestehe zwar immer noch nicht, aber dies ist in den AGB von Beförderungsgesellschaften öfter zu lesen, um sicher zu stellen, dass wenn nicht ausreichend Platz für einen Kinderwagen vorhanden ist, dieser auch nicht geltend gemacht werden kann.

Des Weiteren gilt, ein Kinderwagen dürfe nur in öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werden, wenn mindestens eine Flügeltür zugänglich und der Kinderwagen außerdem mit einer Feststellbremse gesichert sei.

Offenbar sind Änderungen doch schneller möglich als gedacht. Ich bin gespannt, wie die Testphase der neuen Bestimmungen endet.

über

Aufgewachsen ohne Auto war ich ständiger Passagier im Kinderfahrradanhänger. Später stieg ich dann für Einkaufsfahrten sogar selbst auf's Fahrrad mit dem Anhänger im Schlepptau.

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